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Vorträge
Fokus Kollaborationen
8. Mai 2013

8. Mai 2013, 19 Uhr – Fokus Kollaborationen

1 + 1 = 3? Temporäre Kooperationen in der aktuellen Kunst vor dem Hintergrund der Autorschaftsfrage

Nadine Schadt

Marktstrategie oder künstlerisches Experiment? Künstlervereinigungen im frühen 20. Jahrhundert

Susanne M. I. Kaufmann

Moderiert von Sabine Weingartner

Die Kunsthistorikerin Nadine Schadt thematisiert die Entwicklung in der aktuellen Kunstgeschichte, dass Künstler immer häufiger in Projektarbeiten, losen Netzwerken oder temporären Kooperationen miteinander arbeiten, eine Vorgehensweise, die – wenn sie kunsthistorische Beachtung findet – in der Tradition des kollektiven Gedankens verortet und meist als Kritik an einem nicht adäquaten Autorenverständnis gedeutet wird. Die Umwandlung in eine mathematische Formel ergäbe: 1+1=1. Doch temporäre Kooperationen grenzen sich in ihrer Organisation und ihrem Ausdruck vom Tradierten ab – vom Atelier mit Assistenten, von Künstlergruppen oder Duos, die formal symbiotisch auftreten. Die Frage lautet daher, wie sich die Variablen der Gleichung in einer temporären Kooperation verhalten. Wäre hier eher 2 das Ergebnis der fiktiven Summe? Oder birgt eine Kooperation das Potential und die Innovationskraft einer neu formierten kollektiven Autorschaft? Ergibt dann 1+1 auf einmal 3?

Susanne M.I. Kaufmann, ebenfalls Kunsthistorikerin, geht anschließend auf Künstlerkollektive als Ausdruck eines zeittypischen Phänomens des frühen 20. Jahrhunderts ein. Die exponentielle Anzahl von begründeten Künstlergruppen und ihr klar formulierter Entschluss des kollaborativen Arbeitens und Handelns sind wesentliche Abbilder der frühen Moderne. Doch worin genau bestand die Motivation für die Künstler sich zusammenzutun? Offenbaren sich darin rein marktstrategische Intentionen oder fungiert diese Arbeitsform als Ausgangspunkt des künstlerischen Experiments? Aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang ein Zitat aus Tagebuchaufzeichnungen Paul Klees von 1911:

„In diesem Sommer hat sich in München eine Gruppe junger Künstler zu einer Vereinigung zusammengetan, die den Namen SEMA ‚das Zeichen’ führen sollte… In einem hübschen Klübchen waren wir ein paarmal zusammen gekommen und waren über Greco einig und darüber, dass wir alle kein Geld hatte … Nun beschloss man die Herausgabe einer Mappe mit Original-Graphik… Dann wurde Herr Thannhauser für eine erste Ausstellung gewonnen. Caspar machte optimistische Mienen. Und ich? Nun, es ist wenigstens mal ein Zeichen, dass man doch nach außen nicht ewig isoliert blieben wird.“